ATV Am Punkt 31.3.2010
Das AMS als Privatunternehmen
Das Arbeitsmarktservice hat zwei Mängel.Es ist ein ökonomisch geführter Betrieb, was Zweifel an den Zielsetzungen umgehend zerstreut; und es ist ein Betrieb, dessen Rohstoff Arbeitslosigkeit ist.
Sehen wir das AMS im Lichte der Wirtschaftsreligion, so kann es nur existieren, wenn es Arbeitslose gibt. Die Anzahl der Arbeitslosen ist proportional zu den (Steuer-)Mitteln auf die das AMS zugreifen darf. Also je mehr, desto besser. Ferner ist das AMS mit Betrieben in engen Geschäftsbeziehungen, die wegen ihrer Produkte (Fortbildungskurse) naturgemäß auf Fördergelder angewiesen sind.
Wir haben also ein Unternehmen, dessen Ziel Wachstum und Profit ist. Wie bei allen anderen Unternehmen auch. Aber wie macht man Profit und wie wächst man, wenn man Arbeitslose betreut?
Herr Kopf hat während seiner Ausführungen vor allem eines versucht, nämlich die Existenzberechtigung des AMS zu untermauern. Weshalb er in die defensive geraten war läßt sich nur vermuten. Vielleicht weil der Mist immer höher wächst und der Filz drumherum immer dichter wird?
Kurse, Kurse, Kurse
Was ich seltsam fand war, dass niemand die zentrale Frage stellte. Dass niemand den Elefanten auf dem Sofa erwähnt hat: Qui bono? Wem nützt es, dass ein und dieselbe Person mehrfach denselben Kurs besucht? Da macht jemand massiv Gewinne aus Steuergeldern. Wer annimmt, dass das AMS hier mit den transparenten Methoden einer Behörde arbeitet, der verdient den Friedensnobelpreis.
Da werden neben fetten Gewinnen auch Arbeitsplätze mit Arbeitslosen produziert. Eine intereassante Farbe auf der Palette. Das AMS bekämpft Arbeitslosigkeit, indem es die Arbeitslosen auf Kurse schickt. So haben die Arbeitenden auf beiden Seiten was davon. Es muss nur irgendwie sichergestellt werden, dass der Rohstoff nicht ausgeht. Eine Möglichkeit das zu erreichen ist, sich bei der Vermittlung kontraproduktiv anzustellen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies auch so praktiziert wird. Für mich war das nicht negativ. Ich wollte ohnehin eine Pause einlegen. Schließlich hatte ich etwa 250.000 EUR im Laufe meines Lebens in den Sozialpott eingezahlt. Damit könnte ich ebensogut 10 Jahre lang erwerbsfrei bleiben.
Arbeit ist überflüssig
In einer fremdversorgten Gesellschaft (nicht Welt!) funktioniert das Zusammenleben solange Güter und Tauschmittel ausgeglichen und im Umlauf sind. Werden die Tauschmittel an die Erwerbstätigkeit gekoppelt, so befindet sich die Gesellschaft im freien Fall, sobald die Erwerbstätigkeit zurückgeht.
Wir stehen also vor der absurden Situation, dass man die Versorgung kostenpflichtig macht, gleichzeitig aber keine Garantie auf die Verfügbarkeit des Zahlungsmittels gibt.
Diese Asymmetrie - so offentsichtlich sie auch ist - leuchtet nicht jedem sofort ein. Und das ist Absicht. Denn sonst gäbe es keine Menschen die gleicher als die Anderen sein könnten. Akkumulation von Geld wäre in einer Welt ohne Erwerbszwang nicht möglich. Um die Leute auf die falsche Fährte zu locken, gibt es Lehrstuhlökonomen, deren Idee von der Welt ein unendlich großes Füllhorn und ein unendlich großer Abfalleimer ist. Diese Idee geben sie seit 130 Jahren an unbedarfte Volkswirtschaftsstudenten weiter, die darauf abgerichtet werden, keine Fragen zu stellen. Vielmehr geht es darum den Lehrstoff auswendig herunterzubeten. Und weil der so unlogisch ist, muss man ihn wirklich auswendig lernen.
BGE
Eine wirklich praktikable Lösung ist das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Ist einmal der finanzielle Existenzdruck weg, können die Menschen in aller Ruhe darüber befinden, was sie tun wollen. Und wenn sie nichts finden, so sind sie nach wie vor Konsumenten und damit Teilhaber der fremdversorgten Gesellschaft. Es wird vielleicht noch eine Generation brauchen, bis die Leute von ihrem überholten Menschenbild der allgemeinen, freiwilligen Versklavung wegkommen.
Oh Du Mein Gestern-Reich
Am Punkt hat mir deutlich vor Augen geführt, dass Österreich noch nicht in der Realität angekommen ist. Nach wie vor dümpelt man hierzulande in Kaiserin Maria Theresia's Menschenbild vom "wertvollen Arbeiter" und vom "unwerten Arbeitslosen" herum. Ich wurde daran erinnert, dass ich in einem Land lebe, das seine letzten großen und geistreichen Gesellschaftsarchitekten vor 80 verloren hat. Ironischerweise wegen des Aufstiegs einer sogenannten "Arbeiterpartei".